Damals und „Gott sei Dank“ Heute!

Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Was hab ich doch für eine wertvolle Lektüre beim Flohmarkt in Andelsbuch erstanden. Einzigartig, äußerst unterhaltsam und absolut lesenswert! Ein Landwirtschaftliches Lehrbuch aus dem Jahr 1937. Für alle, die es nicht so mit der alten Schrift haben, wage ich mal einen Übersetzungsversuch: DSC07544

Überschrift: Die schädlichsten Wiesenunkräuter

„Der Löwenzahn, ein ausdauerndes Unkraut mit tiefgehender Pfahlwurzel und Blattrosette, macht auf trockenen, armen Wiesen wertvollen Pflanzen den Platz streitig. Durch gute Pflege und Dünung der Wiese wird seine Blattrosette unterdrückt. Auch Bestreuen der taunassen Wiesen mit Kalkstickstoff ist zu empfehlen. Wir müssen die Unkräuter, die leider auf vielen Wiesen stark verbreitet sind, mit allen Mitteln bekämpfen. Der Bauer muss sich darüber klar sein, dass Unkräuter auf der Wiese genauso schädlich sind wie auf dem Acker. Sie nehmen den wertvollen Wiesenpflanzen die Lebensbedingungen, sie setzen der Wert des Futters herab, weil sie so grob und „hartstengelig“ sind, oder sie schädigen sogar das Vieh durch bittere oder giftige Stoffe…“

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Wenn das der arme Löwenzahn wüsste… Zum Glück sind wir mittlerweile eines Besseren belehrt worden! Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist ein Korbblütler der wirklich auf jedem Boden gedeiht. Zu seinen Eigenschaften gehören: stoffwechselanregend, antirheumatisch, gallebildend, nierenanregend, leberstärkend, galleflussfördernd, um nur ein paar zu nennen! (Siegrid Hirsch & Felix Grünberger – Die Kräuter in meinem Garten) Löwenzahn überträgt seine Lebenskraft auf die Menschen, die ihn aprilfrisch zu sich nehmen. Seine Bitterstoffe kurbeln die Verdauungssäfte des Körpers an, unterstützen Magen und Bauchspeicheldrüse, stärken, nähren und reinigen die Leber, helfen beim Aufbau neuer Leberzellen, lassen die Galle sprudeln und sorgen für einen aufgeräumten Darm. Nebenbei ersetzt er jede Vitamin- und Mineralstoff-Pille, versorgt den Körper mit vielen basischen Mineralien und stärkt ihn durch die ersten fünf Vitamine des Alphabets: A, B, C, D und E. Seine Wurzeln stabilisieren zudem die Blutzuckerwerte, fangen freie Radikale, helfen bei Virus Erkrankungen und senken außerdem den Cholesterinspiegel. Löwenzahn wirkt dort im Körper, wo er gebraucht wird und aktiviert die Selbstheilungskräfte. (Ursula Stumpf – Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter)

Diese Lobeshymne sollte dem Autor des vorhergenannten Buches mal geträllert werden, denn was wäre der Frühling ohne das Löwenzahnblütenmeer, dass wie Millionen kleiner Sonnen den Bregenzerwald heller scheinen lässt?

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Letztes Jahr habe ich mit reiner Sonnenenergie einen Löwenzahnblüten“honig“ gemacht. Dafür geht man fleißig Blüten sammeln und schichtet abwechselnd Blüten und Rohrzucker in einen Römertopf bis er schön voll ist. Idealerweise scheint dann die nächsten 2 Wochen täglich die Sonne und lässt den Zucker schmelzen. Sobald das passiert ist, kann der Sirup dann abgebsiebt und in Gläser abgefüllt werden. Sehr lecker und sehr intensiv! Eine genaue Rezeptur gibt es sobald die Löwenzähne wieder sprießen…

Im Frühling ist der „Gaul“ ein wenig mit mir durchgegangen. Somit habe ich dem Löwenzahn ein ganz spezielles Salz fast Ihm allein gewidmet. „Löwenzahnblüte mit Chili und Rosmarin“. Fantastisch auf kurzgebratenes, helles Fleisch wie Kalb oder Schweinskarree. Genauso als Gewürz in der Kräuterbutter, Dip oder anderen Grillsaucen der pure Genuss!

Alles Liebe und bis Bald

Margot

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