Heimkehr und Neuanfang zu Allerheiligen

„Ich habe keine Lust Verse zu schreiben,

also zünde ich die Räucherpfanne an

mit Myrrhe, Jasmin und Weihrauch,

und die Verse wachsen in meinem Herzen

wie Blumen in meinem Garten.“ (Nach einem Schüler von Hafis – 15.Jhd.)

Na mit dem Reimen hab ich es nicht so, aber zu sagen hätte ich schon viel!

Vor allem zu diesem besonderen Feiertag. Früher war Allerheiligen ein (etwas leidiger) Pflichttermin, an dem mir in der Kirche leicht „unwohl“ wurde, wenn der Weihrauch gezündet wurde. Da war es schon fast eine Freude, den Rest des Nachmittags beim Familiengrab bei Schnee oder Regen an der frischen Luft zu stehen… (Dezent ausgedrückt.)

Mittlerweile hat sich das Blatt und somit auch meine Emotionen zu diesem Feiertag drastisch geändert! Seid ich mein Leben mit meinen Kräutern und den dazugehörigen Bräuchen von Herzen lebe, wurden aus Pflichtterminen, Besonderheiten! Vermutlich liegt es auch daran, dass wir uns erst kürzlich von einem geliebten Familienmitglied verabschieden mussten.

Ich liebe es, Bräuche zu pflegen!  Auch für andere und ich empfinde es als eine Ehre, mit Kränzen beauftragt zu werden, die an solch hohen Feiertagen die Gräber geliebter, verstorbenen Seelen schmücken.

 

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Thuja – aus meiner Nachbarschaft, Wacholder, frisch gepflückt von einem Ausflug ins Hochgebirge, Eibe aus dem Garten meiner Gota und Rosmarin, das Kraut der Liebe bis in den Tod, bilden die Basis für meine Kränze. Alles Pflanzen, die schon im Keltischen einen besonderen Platz für deren/unsere Ahnen eingenommen haben.

Meine Räuchermischung zu diesem Anlass freut mich ganz besonders!

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Beifuß als Basis, Wacholder, Mädesüß, Rosenblüten, Weihrauch und Myrrhe, Schafgarbe und viele weitere Genüsslichkeiten lassen mein Herz nicht höher schlagen sondern ganz still werden. Sobald die Aromen dieser Mischung mir in die Nase steigen, habe ich das Gefühl meinen Ahnen, und vor allem, …innen sind in meiner/unserer Mitte, sie sind mir ganz nahe und hier heiße ich sie herzlich Willkommen!

 

Diese Zeit, speziell von Allerheiligen bis zur Wintersonnenwende am 21.12. und weiter bis zu 3 König, das Ende der Rauhnächte nimmt einen besonderen Platz in meinem Leben ein. „Wo komm ich her – wo geh ich hin?“ Jetzt öffnet sich ein Tor und es ist die Zeit zurück zu blicken, sich bewusst zu werden, dass jeder Tag ein Geschenk ist und dass auch meine Zeit hier auf Erden ein Ablaufdatum hat. Vor allem aber: Wo will ich hin? Wie nahe bin ich meinen Zielen? Habe ich genügend Mut und Ausdauer, sie bis zur Erfüllung zu verfolgen?

 

Noch ein Satz aus einem Buch, der mich besonders berührt hat:

„Wie für eine Biene, die nach einem langen Flug voller Freude wieder in ihren geliebten Stock zu ihrer Königin kommt, fühlt sich das Sterben und die Heimkehr für die Seelen an.“ Für mich als Imkerin, ein wunderbarer Gedanke!

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Somit „entlasse“ ich euch in diesen herrlich – besinnlichen Feiertag!

Ich wünsche euch wunderbare Einsichten und alle Liebe!

Margot